Bei diesem Projekt handelt es sich um ein um 1900 errichtetes Zweifamilienhaus in Massivbau- und Holzkonstruktion, das über viele Jahrzehnte nahezu unsaniert geblieben war. Die Aufgabe bestand darin, den historischen Bestand grundlegend zu sanieren, zeitgemäßen Wohnraum zu schaffen und die vorhandene Wohnfläche nahezu zu verdoppeln.
Die besondere Herausforderung lag dabei nicht nur im Zustand des Gebäudes, sondern auch in seiner Lage auf dem Grundstück: Der bestehende Baukörper sitzt deutlich erhöht. Der Innenfußboden liegt rund 1,20 Meter über dem Außenniveau. Gleichzeitig sollte der neue Anbau bewusst auf Erdniveau entwickelt werden. Dadurch entstanden unterschiedliche Höhenlagen zwischen Bestand und Neubau, die architektonisch, funktional und konstruktiv präzise miteinander verbunden werden mussten.
Hinzu kam ein außergewöhnlich geschnittenes Grundstück, das eine klassische Erweiterung kaum zuließ. Statt einer rein additiven Lösung wurde ein eigenständiges Konzept entwickelt: die Spiegelung.
Der neue Baukörper wird als spiegelnder Gegenpart neben den Bestand gesetzt. Er nimmt die Typologie des alten Hauses auf, übersetzt sie jedoch in eine zeitgemäße architektonische Sprache. Durch das Satteldach entsteht eine bewusste Verwandtschaft zwischen Alt und Neu, ohne den Neubau historisierend wirken zu lassen.
Um die maximale Breite des Grundstücks auszunutzen, wird der Anbau in seiner Form präzise auf die Grundstücksgeometrie abgestimmt. In der Mitte knickt der neue Baukörper nach Süden ab, wodurch zusätzliche Sonneneinstrahlung gewonnen und die Wohnqualität deutlich erhöht wird.
Zwischen Bestand und Neubau vermittelt ein verglaster Zwischenbau mit Treppenhaus. Er verbindet die unterschiedlichen Ebenen, schafft Orientierung und macht die Schnittstelle zwischen Alt und Neu sichtbar. Gleichzeitig entsteht dadurch ein heller, transparenter Übergangsraum, der beide Gebäudeteile funktional zusammenführt.
Im rückwärtigen, privaten Grundstücksbereich bildet der Anbau einen eingefassten, geschützten Gartenraum mit viel Abendsonne und ruhigem Blick ins Grüne. Ergänzt wird das Konzept durch eine integrierte Garage mit zwei Stellplätzen sowie zwei weitere Außenstellplätze.
Das Projekt zeigt, wie aus einem nahezu unsanierten Bestandsgebäude durch präzise Analyse, kreative Grundstücksausnutzung und respektvolle Erweiterung ein neues, zukunftsfähiges Wohnkonzept entstehen kann: historischer Bestand bleibt erhalten, wird energetisch und funktional erneuert und durch einen klar gesetzten Neubau zu einem stimmigen Ganzen weiterentwickelt.





